Presseerklärung: Zum 103. Internationalen Frauentag am 08.03.2014
Kiel, 08.03.2014
Gewalt ist allgegenwärtig
Der Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein e.V. (LFSH), Dachverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Schleswig Holstein, sieht auch nach 103 Jahren internationalem Frauentag dringenden Handlungsbedarf im Bereich sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Über 10.000 betroffene Frauen haben im Jahr 2012 landesweit die Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe Notrufe aufgesucht, um sich Hilfe bei den professionellen Fachberaterinnen zu holen. Sexueller Missbrauch in der Kindheit, häusliche Gewalt und Vergewaltigung sind die häufigsten Themen, aber auch Stalking und Übergriffe nach dem Einsatz von sogenannten K.O.-Tropfen sind schwerwiegende Themen in den Beratungsgesprächen. „Eine Zunahme verzeichnen wir auch im Bereich Gewalt in den neuen Medien, dem sogenannten Cybermobbing, von dem insbesondere junge Frauen betroffen sind“, sagt Angela Hartmann, Landeskoordinatorin des LFSH.
v. l. n. r. Jessica Haas (Sprecherin LFSH), Angela Hartmann (Landeskoordinatorin LFSH), Jutta Neubauer (Sprecherin LFSH), Angelika Volquartz (Kuratorin), Dagmar Greiß (Vorstand LFSH)
„Schauen wir auf das Ergebnis der gerade veröffentlichten Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), nach dem eine Vielzahl Betroffener sich nie an eine Beratungsstelle oder die Polizei wenden, so wird deutlich, wie groß das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen immer noch ist und wie schwer es vielen Betroffenen fällt, Zugang zu Beratung oder Anzeige zu finden, obwohl es ein gutes Netz von Frauenfacheinrichtungen in ganz Schleswig-Holstein gibt“ ergänzt sie. „Die Zahlen sind wirklich erschreckend, aber ich bin immer wieder beeindruckt von der hohen fachlichen Kompetenz, mit der die Frauen in den Beratungsstellen und Notrufen betreut und begleitet werden. Alle Beraterinnen sind Pädagoginnen, Sozialpädagoginnen oder Psychologinnen, meist mit Zusatzqualifikationen im Bereich Traumafolgen. Jede betroffene Frau ist dort gut aufgehoben“ sagt Angelika Volquartz, ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt Kiel. Zusammen mit 5 weiteren Kuratorinnen aus der Politik unterstützt sie die Arbeit des Landesverbandes, um das Thema Sexuelle Gewalt gegen Frauen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Anlässlich des internationalen Frauentages traf sich das Kuratorium mit dem Vorstand und den Sprecherinnen des LFSH, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Keine betroffene Frau sollte aus Scham oder aus mangelnden Angeboten von einer qualifizierten Unterstützung ausgeschlossen werden. Die Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe im Landesverband Frauenberatung arbeiten mit hohen Qualitätsstandards, in denen die Bedürfnisse und die Selbstbestimmung der Frauen im Mittelpunkt stehen“, so Dagmar Greiß, Vorstandsfrau im LFSH und ergänzt „es ist und bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und geeignete Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene vorzuhalten“. Damit spielt sie auf die aktuelle Diskussion über die Möglichkeiten der vertraulichen Spurensicherung für akut vergewaltigte Frauen an, für die es bislang keine zufriedenstellende Lösung gibt.
Presseerklärung [PDF-Download]
Unter www.LFSH.de können Betroffene eine Fachberatungsstelle in ihrer Nähe finden und sich näher informieren.
V.i.S.d.P. Angela Hartmann, Landeskoordinatorin LFSH, Dänische Str. 3-5, 24103 Kiel, 0431 – 9 96 96 36, info@lfsh.de
