Pressemitteilung: Gewalt gegen Frauen - Beratung hilft, ist aber längst nicht für alle erreichbar!

bff begrüßt vorgelegten Bericht der Bundesregierung

Berlin, 17. August 2012
Pressemitteilung

Die Versorgung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder ist nicht in ausreichendem Umfang sicher gestellt, zu diesem Ergebnis kommen die Gutachter/innen, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder  beurteilt haben. Dabei sind Schutz und Unterstützung gewaltbetroffener Frauen als Staatsaufgabe zu betrachten, wie das Gutachten belegt .

Der bff begrüßt, dass mit dem vorgelegten Bericht nun empirische Erkenntnisse vorhanden sind, auf deren Grundlage das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen ausgebaut und weiter entwickelt werden kann. Dass dies nötig ist, melden die bff Fachberaterinnen schon lange an – nun belegen es die im Bericht benannten Versorgungslücken deutlich, darunter z.B.:

  • In allen Hilfseinrichtungen kommt es zu Situationen, in denen Frauen nach Gewalt nicht zeitnah unterstützt werden können, weil die Kapazitäten nicht ausreichen –stattdessen sind teilweise lange Wartelisten Realität;
  • Im ländlichen Raum ist Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen oft schlecht erreichbar, weil es dort wenige Fachberatungsstellen und Frauenhäuser gibt und die Wege dorthin weit sind;
  • Präventionsangebote, die Gewalt im Vorfeld bekämpfen könnten, sind aufgrund fehlender Mittel durch Fachberatungsstellen kaum leistbar – Beraterinnen müssten sich als Folge zwischen der Beratung einer gewaltbetroffenen Frau oder der Angeboten der Prävention entscheiden;
  • Frauen mit Behinderung haben in vielen Einrichtungen überhaupt keinen Zugang, weil die Mittel für barrierefreie Umbauten fehlen. Sie können nach der Gewalt oft keine Hilfe in Anspruch nehmen;
  • Frauen, die eine Beratung in einer anderen Sprache als deutsch benötigen, können oft nicht ausreichend unterstützt werden, weil keine Gelder für Sprachmittlung vorhanden sind.

„Wir werden zeitnah mit den politisch Verantwortlichen sprechen, um zu erreichen, dass die beschriebenen Lücken geschlossen werden. Es ist elementar, dass die Ressourcen der Fachberatungsstellen dem Bedarf angepasst werden“, sagt Katja Grieger vom bff.

Wie wichtig der Beitrag dieser Stellen zur Bekämpfung von Gewalt ist, zeigt auch die repräsentative Umfrage, die im Rahmen des Gutachtens durchgeführt wurde:  sie belegt, dass sich für drei von vier Frauen, die Beratung aufgesucht haben, ihre Situation verbessert hat.

V.i.S.d.P.: Anita Eckhardt/ bff Tel.: 030/32299500

Der bff: ist der Dachverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Er leistet Aufklärung, Sensibilisierung, Fortbildung und Politikberatung zum Thema Gewalt gegen Frauen und vertritt mehr als 160 ambulante Beratungseinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Mehr Informationen: www.frauen-gegen-gewalt.de

Bericht der Bundesregierung in voller Länge [PDF-Download]

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